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Pferdegestütztes Coaching bei CAF aus der Sicht von Ramona Wagner


Ramona Wagner, Ergoldingen 26. Mai 2019

 

Wir sind in einer Zeit angelangt, in der alles immer höher, schneller, weiter gehen muss. Eine Zeit in der viele Menschen an ihre Grenzen stoßen und sich oftmals in einer Sackgasse wiederfinden. Nicht umsonst steht mittlerweile gefühlt an jeder Straßenecke ein Coach für fast alle Lebensbereiche. Ob Fitness, Ernährung, Entspannung, Selbstfindung… der Coachingtrend lässt keine Sparte aus.

 

Aber das will ich heute gar nicht weiter thematisieren. Heute soll es speziell ums pferdegestützte Coaching gehen.

Unsere geliebten Vierbeiner werden bereits seit den 50iger Jahren erfolgreich zu Therapiezwecken eingesetzt und seit den Neunzigern auch im Coachingbereich.

Viele Jahre eher im Hintergrund und hauptsächlich im Rahmen des Manager- und Führungskräftetrainings.

Inzwischen sind Pferde als Co-Coach allerdings nicht mehr nur Menschen mit viel Verantwortung vorbehalten. Ihr Aufgabengebiet hat sich deutlich erweitert.

 

Was genau bedeutet Coaching eigentlich und wo liegt der Unterschied zum therapeutischen Reiten?

 

In der Hippotherapie oder dem therapeutischen Reiten werden hauptsächlich geistig oder körperlich behinderte Menschen therapiert.

Wie der Name „Therapie“ schon vermuten lässt, ist hier sowohl die Ausbildung des Therapeuten, als auch die Behandlung des Patienten wesentlich umfangreicher und die Schwerpunkte sind komplett Andere.

Die Klienten eines Coaches haben meist ein bestimmtes Thema in ihrem Leben, in dem sie feststecken und sich zu dessen Lösung Unterstützung suchen.

Ein weiterer, essenzieller Unterschied ist der, dass beim pferdegestützten Coaching nicht AUF, sondern MIT dem Pferd gearbeitet wird. Es sind also keinerlei Pferdekenntnisse notwendig und man muss keine Angst vor dem Herunterfallen haben, da alle Aufgaben vom Boden aus gelöst werden.

Das Einzige, das man benötigt, ist eine gewisse Portion Mut, um sich den eigenen Dämonen und Herausforderungen zu stellen, um dadurch die Lebensqualität auf ein neues Niveau zu heben.

Außerdem bietet ein Coach keine Lösungsvorschläge an oder sagt einem, was man tun oder besser lassen soll, sondern fördert und fordert den individuellen Weg des Coachees (Klienten) zu seinem/ihrem ganz persönlichen Ziel.

 

Das ist ja alles schön und gut, aber was genau macht das Pferd jetzt in so einer Coachingstunde?

 

Einem wahren Tiermenschen muss ich wahrscheinlich nicht erzählen, welch einzigartiges Gespür Tiere im Allgemeinen haben.

Egal, ob es die Katze ist, die sich wie eine Wärmflasche auf den Bauch legt, wenn dieser schmerzt. Der Hund, der einem das Gesicht abschleckt, bis man wieder lachen kann oder das Pferd, das so lange auf der Koppel davonrennt, bis man den inneren Groll, den man aus der Arbeit mitgebracht hat am Gatter zurücklässt und plötzlich wie von Geisterhand gesteuert von ganz allein auf einen zukommt.

Tiere sind vollkommen wertfrei dem Menschen gegenüber und sehen weder die äußere Hülle, noch wie dick der Geldbeutel ist. Für sie zählt nur das Innere.

Das, was den Menschen der gerade vor ihnen steht, in diesem Moment ausmacht. Mitunter deshalb fällt es Klienten oftmals wesentlich leichter, sich zu öffnen, was wiederum den gesamten Coachinprozess unter Umständen erheblich beschleunigen kann.

Insbesondere Pferde haben - dadurch, dass sie Flucht- und Herdentiere sind – ein besonderes Gespür für ihre Umwelt.

In der freien Natur bedeutet es für sie nicht selten den Tod, wenn sie einmal unaufmerksam sind, daher hat sich ihr Instinkt über Jahrtausende so sehr geschärft, dass sie ihre Umgebung lesen können, wie wir ein Buch.

Equine sind wahre Körpersprachekünstler! Sie nehmen Zeichen von uns wahr, die dem Coach oder sogar uns selbst oftmals verborgen bleiben. Sie riechen es, wenn wir vor Nervosität das Schwitzen anfangen, hören unseren Herzschlag, wenn sich dieser aufgrund einer getriggerten Emotion verändert und spüren es sofort, wenn man mit dem Kopf nicht bei der Sache ist. Kurzum, sie wissen besser als jeder andere, wie es wirklich in uns aussieht und können Selbstsabotageprogramme aufdecken, die uns nicht selten daran hindern im Leben vorwärts zu kommen.

All das und noch so vieles mehr macht Pferde zu einem perfekten Coachingpartner.

 

Zugegeben, all das klingt nun sehr theoretisch, daher ein kurzer Bericht aus der Praxis.

 

Vergangenes Jahr habe ich den Entschluss gefasst eine pferdegestützte Coachingausbildung zu machen.

Also habe ich mich auf die Suche nach einer passenden Ausbildungsstätte gemacht und bin dabei auf Claudia A. Friederich (CAF) gestoßen, mit deren Geschichte ich unheimlich in Resonanz gegangen bin. Nach einem sehr aufschlussreichen und vor allem ehrlichen Telefonat stand für mich sofort fest, von dieser Frau möchte ich lernen.

 

Anfang April war es dann endlich soweit und die Ausbildung zum zertifizierten systemischen Coach mit Pferd hat begonnen.

An diesem ersten Wochenende hat sich bei mir eine kleine Leidenschaft herauskristallisiert, wodurch Frau Friederich mir die Möglichkeit geboten hat, an einem ihrer Gruppenworkshops teilzunehmen, Fotos zu machen und einen kleinen Erfahrungsbericht zu schreiben.

Darüber musste ich natürlich nicht zweimal nachdenken und so bin ich am 26. Mai 2019 nach Waldmünchen in die Oberpfalz gefahren, wo sich ihr Ausbildungszentrum - ein kleines Paradies für Mensch und Pferd – befindet.

 

Nicht nur, dass ich meinen verborgenen Interessen nachgehen konnte, nein ich hatte nun auch die Möglichkeit meiner Mentorin einen Tag lang bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und dabei auch noch aktiv am Workshop teilzunehmen, um am eigenen Leib zu erfahren, was es heißt von ihr und ihren 4 grandiosen Pferden gecoacht zu werden.

Weil es passender nicht sein konnte, stand dieser Tag unter dem Motto „Visionen leben – Träume verwirklichen“.

 

Nach einer herzlichen Begrüßung und einer ausführlichen Erklärungsrunde, ging es auch schon direkt mit der ersten Gruppenarbeit los. Zum Einen wurde dadurch ganz schnell das Eis untereinander gebrochen und zum Anderen wurde jede Teilnehmerin genau dort abgeholt, wo sie sich gerade befand und Frau Friederich hat uns alle gekonnt und unkompliziert auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

 

Den Vormittag haben wir dann im Wesentlichen dafür genutzt, um unser aller IST-Zustand auszuarbeiten und den verloren gegangenen Kontakt zu unserem inneren Selbst wiederherzustellen, um herauszufinden wo die Reise von jeder einzelnen Teilnehmerin eigentlich hingehen soll.

Dies haben wir mithilfe verschiedener Übungen, Frau Friederichs präzisen Fragen und natürlich der Unterstützung ihrer 4 wunderbaren Pferde gemeistert.

Gestärkt nach einem gemeinsamen Mittagessen in familiärer Umgebung ist es noch einmal sehr intensiv geworden und wir haben alle unsere Visionen ausgearbeitet.

Das absolute Highlight aber war für mich persönlich die letzte Übung mit Farru. Dem hübschen Spanierwallach, der an diesem Tag wirklich ganze Arbeit geleistet und sich meinen größten Respekt verdient hat.

Wir waren insgesamt 7 Teilnehmerinnen, haben alle der Reihe nach die exakt gleiche Übung mit ihm durchgeführt und er hat bei jeder Einzelnen komplett unterschiedlich reagiert.

Hier hat es sich so deutlich gezeigt, dass Pferde genau das spiegeln, was in unserem Inneren vor sich geht und warum sie die perfekten Coachingpartner sind.

Linda Kohanov nennt sie nicht umsonst „die Botschafter zwischen den Welten“.

Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment zurückdenke und bin sehr dankbar dafür, dass ich das erleben durfte. Nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Mitstreiterinnen.

Ich konnte von diesem Tag sehr viel für mich selbst mitnehmen und habe obendrein auch noch wunderbare Menschen kennengelernt, die in diesen paar Stunden weit über sich hinausgewachsen sind.

Frau Friederich war stets auf Augenhöhe mit uns, offen für alle Fragen, hat viel aus ihrem eigenen Leben preisgegeben und ist auf jede einzelne Teilnehmerin ganz individuell eingegangen.

Als ich an diesem Tag in Waldmünchen eingetroffen bin, habe ich 6 Frauen kennengelernt, die alle ein riesengroßes Fragezeichen über ihren Köpfen schweben hatten.

Nur 7 Stunden später habe ich mich von 6 selbstbewussten Frauen voller Tatendrang, einem Ziel vor Augen und einem dicken fetten Lächeln im Gesicht verabschiedet.

 

Man spürt zu jeder Zeit, dass Frau Friederich ihre Leidenschaft lebt und sie ein Coach mit Leib und Seele ist.

Wenn Coach und Pferd in perfekter Symbiose zusammenarbeiten, so wie es hier der Fall ist, kann innerhalb kürzester Zeit etwas Wunderbares entstehen.

 

Autorin:

Ramona Wagner, Ergoldingen 26. Mai 2019

Liebe Ramona herzlichen Dank für diesen Bericht und die wunderschönen Bilder. Als Autorin wirst du sicher grossen Erfolg haben!

Danke an alle Teilnehmerinnen, dass ich diese Bilder veröffentlichen darf.

Dieser Bericht und die Bilder sollen Mut machen, damit viele Menschen sich ihren Dämonen stellen, für mehr Lebensqualität. CAF

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