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Ich möchte euch eine Geschichte erzählen

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die mich lange beschäftigt hat.

Prinz, mein 2,5 jähriges FM-Fohlen habe ich mit 8 Monaten bei Pferde in Not gerettet. Als ich Prinz das erste Mal sah, sprang er direkt in mein Herz und ich fühlte, dass es gegenseitig war. Ich holte ihn am nachsten Tag und er kam auf eine Hengst-Fohlenweide. Leider hatte ich mit den Fohlenweiden Pech, und er musste 3 mal umziehen. Immer wieder bekam er Kotwasser und es wurde immer schlimmer. Der Tierarzt meinte, nach einigen Versuchen mit Medikamenten, Wurmkuren etc., es ist eben ein „Fribi“ und die haben eben mal Kotwasser. SUPER, das hilft mir jetzt aber weiter!

Prinz war ruhig in seiner Herde und er hatte auch keinen sichtlichen Stress. Das einzige was mir immer auffiel war, dass er immer, wenn ich kam aus der Herde rauskam und mich begrüsste. Ich fand das zwar herzig, wusste aber, dass dieses Verhalten nicht in der Natur der Pferde entsprach. Ich putzte ihn und wusch immer wieder seinen Schweif, weil er vor Kotwasser stank und es ihm sicherlich nicht angenehm ist, so zu leben. Eines Tages, entschloss ich mich, für Prinz eine Fohlenweide zu suchen, wo er mehr Menschenkontakt hat und weniger Pferde in der Herde sind. Als ich diese Fohlenweide fand, war ich sehr glücklich und zügelte Prinz dorthin. Siehe da, er hatte am nächsten Tag kein Kotwasser mehr. Ich freute mich und konnte meinen kleinen Prinz nun endlich in Ruhe und entspannt sehen. Diese Zeit war kurz, denn schon bald bekam er wieder schlimm Kotwasser und ich wusste nicht mehr weiter. Ich fragte Prinz, was ihm den fehlte, ich weiss einfach nicht mehr was ich für ihn tun kann. Er antwortete: „nimm mich zu dir“. NEIN sagte ich, du brauchst doch deine Fohlenweide und ging wieder. Jedes Mal wenn ich kam, lachte er und erzählte mir eine Geschichte, dass seine Hengst-Gruppe in der Nacht ausbreche und zu den Stuten rüber gehe. Ich dachtet mir, so ein Quatsch, das hätte mir doch der Weidenbesitzer erzählt.

Jeden Sonntag, wenn ich zu Prinz kam, erzählte er mir diese Geschichte und setzt noch einen darauf. Er sagte, jetzt habe ein Hengst eine Stute gedeckt. Ich bekam Bauchweh, denn es war der Hengst meiner Kollegin, der gedeckt hatte. Jetzt hatte ich ein Problem, wenn das stimmt und ich nicht reagiere, dann hat meine Kollegin mit ihrem Hengst ein Problem, wenn sie ihn zu sich nehmen will und er ohne ihr Wissen gedeckt hat. Ich fuhr nach Hause und sagte mir: Morgen rufe ich den Fohlenweidenbesitzer an und frage ihn. Gesagt – getan!

Ich rief gleich am Morgen an und sagte : „höre mir bitte einfach nur zu und beantworte mir am Schluss nur eine Frage“. Ich erzählte ihm die Geschichte und es war am anderen Ende still!

Dann stellte ich meine Frage. „ Stimmt das, dass die Hengste ausgebrochen sind, und eine Stute gedeckt wurde?“ Die Antwort war JA!

Ich liess dem Fohlenweidenmensch Zeit, das meiner Kollegin zu erzählen. Leider blieb dieses Telefon aus. Meine Kollegin und ich wir telefonierten und ich konnte nicht noch länger warten und erzählte ihr alles. Sie war entsetzt und holte ihren Hengst sofort zu sich. Prinz und ich wurde von den Menschen auf der Fohlenweide gemieden und verachtet. So beschloss ich, dass ich Prinz, der mehr Kotwasser als sonst hatte, auch zu mir zu holen.

Er kam zu Spirit meinem Poloross, in eine schöne Auslaufboxe mit grossen Weiden. Prinz ist heute 2 Monate bei mir und hat seit dem kein Kotwasser mehr. Er liebt sein neues zu Hause. Er kann bei mir sein und dass ist was er immer wollte.

Jedes Tier ist einzigartig und darum gilt, auch wenn es „normal“ ist ein Fohlen in Gruppenhaltung aufzuziehen, heisst es nicht, dass es das Beste für das Fohlen ist. Im Fall von Prinz war es nicht so. Heute ist er gesund und ich bin sehr glücklich, den Mut gehabt zu haben, auf die Kommunikation zwischen Prinz und mir zu hören!

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne Andrey Erni (Samstag, 05 März 2016 13:23)

    Liebe Claudia
    Das ist wirklich eine rührende Geschichte und sie zeigt einmal mehr, dass man sowohl Tiere als auch Menschen nur mit dem Herzen spüren und hören kann. Es ist die Empathie dem anderen Wesen gegenüber, welche uns die leisen Töne hören lässt in einer immer lauteren Welt.